Seele umkrempeln witzlos

Transsexuelle brauchen keine Zwangstherapie

MT-Bericht GRAZ - Nicht wenige Patienten, die psychotherapeutische Hilfe brauchen, haben deswegen massive Probleme mit ihrer Kasse. Transsexuellen hingegen wirft man die Seelenbehandlung quasi hinterher, obwohl sie es weder wollen noch brauchen.
Appell eines Fachmanns:
Verschont die Leute endlich mit unsinnigen Therapieauflagen!

Die "Standards zur Begutachtung Transsexueller" wollen es so:
Sie geben die generelle Empfehlung, Umwandlungswillige erst mal für ein Jahr in Psychotherapie zu schicken.
Die betroffenen Patienten bringen dafür wenig Verständnis auf, sie fühlen sich zu Unrecht psychiatrisiert, berichtete Kurt Seikowski, andrologische Abteilung, Hautklinik der Universität Leipzig, beim III. Internationalen Grazer Andrologie-Symposion.
Worin begründet sich denn besagte Empfehlung, fragte sich der Psychotherapeut?
Sind Transsexuelle psychisch auffälliger als der Rest der Welt?

Zwei Drittel ohne Neurose
In einer Untersuchung an 95 Männern, die sich als Frau fühlten, und 76 Frauen, die sich als Mann fühlten, gingen K. Seikowski und Kollegen der Sache auf den Grund. In umfangreichen Befragungen wurden sie auf psychosomatische Beschwerden, Verhaltensprobleme, Persönlichkeitsmerkmale und "neuroserelevante Einschränkungen im zwischenmenschlichen Bereich" abgeklopft.

Nach Auswertung des Datenmaterials ließ sich der Neurotizismusgrad im Kollektiv klar in Zahlen ausdrücken:

  • Knapp 63 % waren ohne Neurose,
  • 13 % fraglich und
  • knapp 25 % wahrscheinlich neurotisch.
Eine weitere Analyse bei 124 der Studienteilnehmern zeigte ein Drittel relevante Werte für Merkmale wie Depressivität, Ungeselligkeit, Introvertiertheit und Konformitätsstreben, die übrigen 80 waren völlig okay.
Vor diesem Hintergrund, resümierte der Referent, sollte man die generelle Empfehlung "ein Jahr Therapie" gründlich überdenken. Ganz abgesehen von der Frage, was eigentlich therapiert werden soll, verschlingt das blinde Befolgen einer solchen Maßnahme eine Menge Geld.

"Und wo stehen eigentlich die Transsexuellen in puncto Therapie-Bedürftigkeit im Vergleich zur Normalbevölkerung?"
erkundigte sich eine Kollegin aus dem Auditorium. Es gibt Daten, die besagen, dass in Deutschland rund 30% der Bevölkerung psychotherapiebedürftig sind, so Kurt Seikowski. Daraus lässt sich einfach folgern:
Transsexuelle sind psychisch so normal wie du und ich.

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